Den Loch Ness in südlicher Richtung hinter sich lassend tritt man in das Land der Berge und der Flut ein, Lochaber. Hier verläuft der südliche Abschnitt des Caledonian Canal, der am zweitgrößten Meeresarm Schottlands, dem Loch Linnhe, endet. An seinem Nordufer liegt das nach Wilhelm von Oranien benannte Fort William, das sich von einer Garnision des 17. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Zentrum an der schottischen Westküste entwickelte. An der Kreuzung zweier wichtiger Verkehrsadern gelegen, weist es Verbindungen nach Inverness, an die Westküste, in das östlich gelegene Strathspey und nach Glasgow auf. Von dieser verkehrsgünstigen Lage profitierend hat sich Fort William zu einem wichtigen Handels- und Industriezentrum im westlichen Hochland entwickelt Dahinter erhebt sich der höchste Berg Großbritanniens, Beinn-neamh-bhathais , der Berg der seinen Kopf in den Wolken hat. Die Rede ist von Ben Nevis, der am Nordende des Loch Linnhe gelegen und die größte Gebirgskette Schottlands beherrschend, seinen Gipfel in die, ihn oft umgebende, Wolkendecke schiebt. Vorbei an Loch Eil verbindet eine zweite Traumverbindung die Inselwelt vor der Westküste mit dem Landesinneren.
Die, von der wuchtigen Form des Ben-Nevis-Massivs dominierte, Szenerie im Rücken nähert man sich Glenfinnan. Auf halbem Wege zwischen Fort William und dem Tor zu den Hebriden, Mallaig gelegen, erstreckt sich das Tal des heiligen Finnan. Hier, in Glenfinnan, hatte Bonnie Prince Charly die Hoffnung des Hochlandes geweckt und zum Sturm gegen die englischen Unterdrücker gerufen. Heute ragt an der Stelle dieses Ereignisses ein Turm, gekrönt von der Statue eines Hochlandsoldaten, gegen den schottischen Himmel, um die Erinnerung an jene Tage zu bewahren, an denen ein Land seine Hoffnungen auf die Schultern eines jungen Prinzen legte.
Von dem Schauplatz dieses Geschehens blickt man auf eine Landschaft, wie sie nicht passender sein könnte, um jenem geschichtlich so wichtigen Augenblick einen königlichen Rahmen zu verleihen. Es ist der erhebende Anblick einer Naturschönheit voller Poesie, wie man sie nur hier im Hochland finden kann. Loch Shiel, der Inbegriff für die Schönheit der schottischen Seen, erstreckt sich malerisch zwischen zwei Gebirgszügen, die sanft und symmetrisch hinab gleitend seine Ufer säumen um sich schließlich mit ihm in einem harmonischen Bild zu vereinigen. Im Vordergrund ragt eine, mit 200 bis 300 Jahre alten Caledonian Pines bewaldete, Insel aus seinen Wassern und verleiht dem ganzen Kunstwerk der Natur eine künstlerische Tiefe, in der man, verstärkt durch die Unregelmäßigkeit der Ufer und der scheinbaren Endlosigkeit der glitzernden Wasseroberfläche, zu versinken droht. Einem Fluß gleichend schlängelt sich der See dem Horizont entgegen um schließlich hinter einem Bergvorsprung zu entschwinden und das Geheimnis über sein wahres Ende zu wahren. Der eigentliche Reiz dieses Sees beruht wohl in der einzigartigen Verbindung der Bergwelt, dem gewundenen Verlauf und der im Zentrum des Blickfeldes gelegenen Insel, deren Bedeutung wohl entscheidend für die Ausdruckskraft dieses Sees ist.
Jäh wird die Ruhe durch einen Zug von Oban kommend gestört, der quitschend und ratternd den, das Tal überspannenden, Viadukt überquert um schließlich wieder hinter den Bergen in Richtung Mallaig zu entschwinden. Nun herrscht wieder Ruhe über dem See. Seinen Namen verdankt das Tal der kleinen Insel St. Finan, die sich jedoch hinter einem, in den See ragenden, Berg den Blicken entzieht. Auf ihr lebte der heilige Finan bis zu seinem Tod im Jahre 575. Im 16. Jahrhundert wurde dort eine Kirche erbaut, die noch heute eine seltene keltische Bronzeglocke beherbergt.





