In östlicher Richtung führt eine Straße in die Schlucht von Glencoe. Hier fand 1692 das berüchtigte Massaker an Mitgliedern des MacDonald-Clans statt, das dieses Tal für längere Zeit entvölkerte. Das Tal der Tränen. Die schrecklichen Ereignisse jener Tage scheinen in seinen melancholisch anmutenden, schroffen und unnahbar wirkenden Steilwänden, die sich zu beiden Seiten der Schlucht erheben, zu Stein geworden.
Der schottische Maler Horatio McCulloch (1805 - 1867) konnte diese düstere Stimmung in seinem berühmten Gemälde in der dafür notwendigen Ausdruckskraft wiedergeben. Es spiegelt die beklemmende Wildheit des Tales wieder, das von der charakteristischen Formation der Drei Schwestern von Glencoe dominiert wird.

Nach dem schottischen Aufstand zur Unterstützung des abgesetzten Königs Jakob II. war die englische Regierung darauf bedacht, sicherzustellen, dass die Schotten nicht erneut rebellieren und damit keine potentielle Gefahr für das Überleben des neuen Regimes mehr darstellen würden.
Allen Clanoberhäutern wurde deshalb eine Amnestie zugesichert, sofern sie Wilhelm II. den Treueeid schwörten. Andernfalls würde man sie als Hochverräter behandeln und ihren Besitz konfiszieren. Die meisten Chiefs leisteten den Eid mit Ausnahme von MacIan von Glencoe, der zuerst zum falschen Ort ging und dann einen 40-Meilen-Fußmarsch im Winter nach Inveraray machen mußte um dort den Eid verspätet zu schwören. Dies war eine willkommener Anlaß, ein Exempel an den widerspenstigen MacDonalds zu statuieren. Unter der Führung von Robert Campbell wurden 2 Kompanien mit dem Auftrag nach Glencoe entsandt, alle MacDonalds unter 70 zu töten. Fast 2 Wochen genossen die Campells die Gastfreundschaft der Macdonalds bis sie eines Morgens über die arglosen Bewohner herfielen und 38 von Ihnen umbrachten. Die restlichen Bewohner flohen in die Berge, wo sie vermutlich an Hunger und Kälte starben.
Was dieses Blutbad vermutlich in die Geschichte eingehen ließ, ist wohl die Tatsache, dass ein nach allen Regeln der Gastfreundschaft aufgenommener Schotte unter seinen Gastgebern morden ließ. Die MacDonalds siedelten sich nach dem Massaker wieder im Tal an und wurden erst während der Hochlandsäuberung im Jahre 1820 endgültig aus diesem vertrieben.
Bis zum 11. Jahrhundert erstreckten sich die kaledonischen Wälder über das gesamte Hochland, so auch im Glen Coe. Diese fielen aber dem Schiffsbau, der im 15. Jh. einsetzenden Produktion von Eisen und der profitgerichteten Schafzucht zum Opfer. Heute breitet sich eine nahezu baumlose Schlucht jenseits des Buachaille Etive Mor, des großen Hirten von Etive, aus und verbindet das Moor von Rannoch mit den Ausläufern des Meeres am Loch Leven. Einem Wächter gleichend steht er am Eingang jener Schlucht, deren traurige Geschichte auch heute noch nichts von seiner Intensität verloren hat. Einzig die Ruhe wird man angesichts der Touristenmassen und des stetigen Verkehrs einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen hier vergeblich suchen.
Seine Ausläufer flankieren ein weiteres wildes Tal, in welchem der Fluß Etive sich seinen Weg zum gleichnamigen Meeresarm bahnt.


