Fàilte ort a dh'Albainn, Willkommen in Schottland. Dramatische Landschaften in einer einmaligen Verbindung von Wasser und Stein, mystische Kultstätten aus einer fernen Vergangenheit, Burgen und Schlösser, erfüllt von den Erinnerungen an die schauerlichsten Bluttaten, ein von den Stürmen des Atlantiks geprägtes Inselreich und ein Land wie aus einer anderen Zeit, in dem diese ab und an stehen geblieben zu sein scheint.

Schottland, die Krönung der britischen Inseln im Norden der Hauptinsel, dessen Naturschönheiten heute so viele Menschen begeistert, erlangte erst in der jüngeren Vergangenheit den Ruf eines Landes, das die ästhetischen Sinne zum Leben erweckt.

Aufgrund seiner geographischen Lage und seiner klimatischen Verhältnisse war Schottland nur geringfügig fremden Kultureinflüssen ausgesetzt, so daß es bis in die heutige Zeit seine Eigenheiten bewahren konnte. Es ist ein Land voller Klischees, die ihm in seiner Vergangenheit erwuchsen und bis heute nichts von ihrer Intensität verloren haben. Clans, Kilt, Whisky, Monster und Regen sind nur einige jener Assoziationen, die Verwendung finden, wenn man über Schottland und seine Bewohner spricht.

Die Schotten haben sich damit abgefunden, denn sie wissen, daß die Welt dieses Bild von Ihnen erwartet. Sie wissen aber auch, daß die Grenze zwischen Tradition und Kitsch schmal und die Gefahr eines Abdriftens in die zerstörerische Welt des vom Profit dominierten Tourismus allgegenwärtig ist. Sie sind sich aber auch bewußt, daß Schottland seine Unabhängigkeit verloren hat und es eben diese Besonderheiten sind, die es als politisch integriertes, aber in den Herzen seiner Freunde eigenständiges Land weiterleben lassen. Ausnahmen wie die kitschige Monsterausstellung von Loch Ness sind gottlob selten und werden von der eindrucksvollen Realität seiner geschichtlichen und landschaftlichen Attraktionen an den Rand gedrängt. Schottland hat doch weit mehr zu bieten, was viele Größen der europäischen Kultur angezogen und bewogen hat, das Land zu besuchen und sowohl poetisch als auch schwärmerisch zu besingen.

Schreibende, malende und komponierende Künstler präsentierten die romantische Seite eines einstmals rauhen Landes und erhoben es damit auf die Stufe eines frühen Reisezieles, das mit seiner Aura die Besucher anzog.

Voll so hoch schlug mir das Herz jetzt nicht, aber es schlug doch freudig und dankbar zugleich, als mein diesmaliger Reisegefährte dem hinter uns verschwindenden London zuwinkte und mit Genugtuung die Worte wiederholte: Nach Schottland also!

So Theodor Fontane, als er sich im August des Jahres 1858 von London aus auf den Weg machte, um sich einen lang gehegten Jugendwunsch zu erfüllen und eine Reise durch Schottland zu unternehmen, wobei er seinen Schwerpunkt auf den Besuch von kulturhistorischen Plätzen legte. Er beabsichtigte eine Fahrt in ‘das romantische Land’ und eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Ihn begeisterte das romantisch Phantastische und er wollte das Schottland, das er aus den Gedichten, Balladen und Romanen Scotts kannte, jetzt kennenlernen. Fontane sammelte seine Eindrücke dieser Reise und legte sie in seiner poetisch kraftvollen Reiseschilderung „Jenseit des Tweed“ nieder.